Materialien für Textilien

Bambus, Baumwolle, Econyl, EcoPaXX, Hanf, Jacroki, Kapok, Kork, Leder, Lein(en), Lycocell (Tencel), Pinatex, Ramie, Refibra-Faser, Repreve, Seide, Wolle

 

 

Naturmaterialien

Naturmaterialien

So schön Naturmaterialien auch sind, verdienen sie die Bezeichnung „echte“ Naturprodukte eigentlich nur, wenn sie umweltfreundlich produziert und dafür mit einem der bekannten Zertifikaten ausgezeichnet wurden, die bestätigen, dass sie die harten Kontrollen bestanden haben.

Die Herstellung von so genannten “Naturprodukten“ oder „Naturmaterialien“ generell sollte heutzutage mit kritischem Blick betrachtet werden, wenn man bedenkt, dass im herkömmlichen Anbau fast ausnahmslos giftige Pflanzenschutz- und Düngemitteln und im Produktionsprozess ebenso giftige Chemikalien und Farben zum Einsatz kommen. Die konventionelle Kultivierung und Verarbeitung schadet den Bauern und Arbeitern in den Anbau-und Produktionsländern enorm, vergiftet die Natur und hinterlässt sogar im Endprodukt seine toxischen Spuren.

Deshalb sollten wir darauf achten, nur Produkte zu kaufen, die vom Anbau bis zur Endfertigung umweltschonende Prozesse durchlaufen. Nur dann können wir die vielseitige Verwendbarkeit von Naturfasern bedenkenlos nutzen und ihre wunderbare Wirkung geniessen.

Helfen Sie eine für Mensch und Umwelt lebenswerte Zukunft mitzugestalten indem Sie Produkte aus Umwelt schonender Produktion bevorzugen.

 

Bambus

Bambus

Bambus wird seit einiger Zeit intensiv als ökologischer Rohstoff vermarktet. Er wird als die neue grüne Wunderpflanze angepriesen. Insbesondere Textilhersteller machen den Käufer glauben, Bambus sei die umweltfreundliche Alternative zur Baumwolle. Leider wächst aber die Mehrheit der im blühenden Bambustextilmarkt verwendeten Bambusstoffe nicht in der Natur, sondern wird in chemischen Prozessen synthetisch hergestellt.

Der Handel preist den Bambus als seidenweiche, saugfähige, atmungsaktive und Temperatur ausgleichende Superfaser an, was deren höheren Verkaufspreis rechtfertigen soll.

Leider besteht das „grüne“ Bambus-Kleidungsstück aber meistens aus gewöhnlicher Viskose, also aus einer Kunstfaser.

Es handelt sich in den meisten Fällen um einen echten Etiketten-Schwindel, respektive um bewusste Irreführung, denn das Endprodukt hat praktisch nichts mehr mit dem Ausgangsstoff zu tun.

Tatsächlich wird der Rohstoff Bambuszellulose im Viskoseverfahren chemisch-technisch so verändert, dass dabei ein neues Produkt entsteht, das mit dem Basisstoff kaum noch Ähnlichkeit hat. Man könnte im gleichen Verfahren auch Zellulose von anderen Basisstoffen wie zum Beispiel Buchenholz verwenden und käme zum gleichen Resultat. Zudem entstehen beim aufwändigen chemischen Viskoseverfahren Stoffe, die teils umweltbelastend und giftig sind. Somit haben diese Textilien die Bezeichnung “grün“ keinesfalls verdient.

Die Bambusviskose wird zum grössten Teil von chinesischen Chemiefirmen mit Einsatz enormer Chemikalienmengen hergestellt.

Es gibt tatsächlich Textilien, die aus echtem Bambus hergestellt sind. Doch da die Naturfaser Bambus selbst sehr spröde ist, braucht es immer eine spezielle Bearbeitung, um die Faser mit der kratzigen Textur in feines, tragbares Material zu verwandeln. Die Luzerner Firma Litrax ist weltweit die einzige Firma, die natürliche Bambusfasern in einem Hightech-Verfahren mit Hilfe von Enzymen zu weichen, tragbaren Fasern verarbeiten kann. Echte Bambusfasern kommen jedoch in Textilien eher selten vor.

Der Laie kann die Naturfaser nicht von der Kunstfaser unterscheiden. (Quelle: Zusammenfassung eines Textes über Etikettenschwindel im Textilgeschäft, entnommen aus dem Beobachter Natur Nr. 6/2010)

Baumwolle

Baumwolle und kbA Baumwolle

Baumwolle ist eine Naturfaser und der bedeutendste Textilrohstoff der Welt. Gewonnen wird sie aus Samenhaaren der Pflanzen der Gattung Baumwolle (Gossypium). Die Baumwollfaser läßt sich 8-10 % dehnen und ist so saugfähig, daß sie ca. 65 % ihres Eigengewichts an Wasser aufnehmen kann. Diese hydrophile Eigenschaft ist übrigens der Hauptgrund für die große Hautfreundlichkeit von Baumwolle, sowie das geringe Allergiepotential dieses Textilstoffes. Hauptanbauländer sind China, Indien, Rußland, Pakistan, Brasilien, Türkei, Ägypten, die USA und Argentinien. (Quelle: wollknolle.de)

Baumwolle ist eine sehr alte Kulturpflanze. In mexikanischen Höhlen wurden Baumwollkleider gefunden, die etwa 7.000 Jahre alt sind. Die Baumwollpflanze gehört zu den Malvengewächsen. Sie wächst vor allem in den Tropen und Subtropen. Man unterscheidet bis zu 51 Arten. In Europa ist Griechenland das einzige Land mit einer größeren Produktionsmenge (Platz 10 der Weltrangliste).

Die lange Wachstumszeit der Baumwolle erfordert nach der Ernte eine rasche Feldbestellung und Neuaussaat. Daher ist der Anbau von Zwischenfrüchten zur Verbesserung der Bodenqualität und zur Unterdrückung von Unkräutern kaum möglich. Besonders auf großen Flächen wird Baumwolle oft ohne Fruchtwechsel mit anderen Nutzpflanzen angebaut. Infolge dieser Monokulturen ist die großflächige Baumwollproduktion stark von Pflanzenschutz-Mitteln abhängig. Baumwolle gilt als das landwirtschaftliche Produkt mit dem höchsten Einsatz an Chemikalien. Auf Baumwolle entfielen 1999/2000 etwa 11% des weltweiten Pestizidmarktes. Daher gilt sie unter Umweltschutzaspekten als sehr bedenklich. Auch der Wasserverbrauch ist als sehr problematisch anzusehen. Besonders bekannt wurde in diesem Zusammenhang der Aralsee, der seit den späten 1960er Jahren stark an Wasser verloren hat, da eine große Menge Wasser zu Bewässerungszwecken für den Baumwollanbau abgezweigt wird, bevor es den See erreichen kann. Dies führte zu einer weit reichenden Versalzung.

Einige Baumwollbauern setzen auf ökologischen Anbau, so dass es heute auch Bio-Baumwollprodukte auf dem Markt gibt. Anfang 2010 wurde die Textilbranche von groß angelegtem Betrug mit angeblicher Biobaumwolle erschüttert, ein großer Teil der aus Indien stammenden Biobaumwolle wurde gentechnisch verändert. Der Betrug wurde bereits im April 2009 von indischen Behörden aufgedeckt. Zusammen mit westlichen Zertifizierungsunternehmen haben zahlreiche Dörfer gentechnisch veränderte Baumwolle als Bioprodukt deklariert und in großen Mengen in Umlauf gebracht – ein klarer Verstoß gegen die strengen Standards für Ökotextilien. Von dem Betrug betroffen sind namhafte Handelsketten wie H&M, C&A und Tschibo“. I

Lesen Sie unter "kbA“ (kontrolliert biologischer Anbau) welche Kriterien Biobaumwolle erfüllen muss, damit sie als Bio-Bauwolle zertifiziert werden darf. (Quelle: wikipedia.ch)

 

kbA ist das Acromym für kontrolliert biologischer Anbau

 

Im konventionellen Baumwollanbau werden viele Umweltsünden begangen:

Da die Baumwollpflanze sehr anspruchsvoll und äusserst anfällig ist, werden im konventionellen (herkömmlichen) Anbauverfahren grosse Mengen an Pestiziden und anderen gefährlichen Chemikalien verwendet. Dies führt zur Vergiftung des Wasser und der Landarbeiter, zum Sterben der Vögel und Fische mit katastrophalen Folgen für Mensch und Umwelt.

Die Alternative zu diesem herkömmlichen, schädlichen Anbau ist der biologische Anbau, woraus dann die Biobaumwolle hervorgeht. Wenn der Anbau international festgelegten Kriterien entspricht und regelmässig strengen Kontrollen unterliegt, erhält die Baumwolle ein Zertifikat und darf als kbA Bio-Baumwolle vermarktet werden.

Sowohl Produzenten wie Konsumenten von kbA Bio-Baumwolle leisten einen Beitrag zur Pflege der Erde:

Für den Anbau von kbA Biobaumwolle gilt Folgendes:

keine Pestizide, keine Fungizide, keine Insektizide,

keine Gentechnologie

kein Kunstdünger

keine Entlaubungsmittel

nur mechanische oder biologische Unkrautbekämpfung

keinerlei kritische Mittel bei Weiterverarbeitung

menschenwürdige Arbeitsbedingungen und fairer Handel

Econyl

Fischernetze
Fischernetze

Econyl

Diese Faser entsteht aus recyclierten Fischernetzen, den sogenannten Geisternetzen, also im Meer frei umher schwimmende kaputte Fischernetze, die die Fischer nicht mehr nutzen können oder verloren haben.

Für ECONYL® werden Nylonabfälle wieder in ihre Ausgangsstruktur zurückversetzt, woraus dann wieder ein zu 100% regeneriertes Nylon-Garn entsteht. 

Daraus entstehen Strümpfe und andere Bekleidungsstücke. (siehe Marke "Lanius" und "Vaude")

Was gut gemeint ist, ist nicht immer gut: 

Ein Kleidungsstück aus recycliertem Plastik gibt beim Waschen immer Mikroteilchen ab, die dann wieder in den globalen Wasserkreislauf gelangen und Trinkwasser und Öko-Systeme der Gewässer verschmutzen.

EcoPaXX

Wunderbaum Rizinus
Wunderbaum Rizinus

EcoPaXX

Ein Kunststoff, der nicht aus Erdöl (fossil), sondern zu 70% aus Rizinusöl vom nachwachsendem Rizinusbaum hergestellt wird.

Der Rizinusbaum wächst ohne zusätzliche Bewässerung auf kargen Böden, die man für den Anbau von Lebensmitteln nicht gebrauchen kann.

Die robusten Fasern finden Anwendung in Sportbekleidung bei der Marke "Vaude", wo es abriebfeste Stoffe benötigt. Die Artikel mit den biobasierten Polyamiden kommen nur in der "Green Shape Core Collection" vor.

Sogar recyclierbare Reissverschlüsse, Schnallen und Haken lassen sich daraus herstellen.

Hanf

Hanf

Hanf zählt zu den ältesten Nutz- und Zierpflanzen der Welt. Neben dem Gebrauch als Faser-, Heil- und Ölpflanze findet Hanf auch zur Herstellung von Rauschmitteln Verwendung.

Heute ist Hanf fast weltweit in den gemäßigten bis tropischen Zonen zu finden, sowohl kultiviert als auch verwildert.

Hanfseile und Segeltuch aus Hanf waren in der Schifffahrt wichtig, da die Faser sehr widerstandsfähig gegenüber Salzwasser ist und weniger Wasser aufnimmt als beispielsweise Baumwolle – Baumwollsegel würden bei Regen derartig schwer, dass die Masten brechen könnten. Auch Flachsleinen war ungeeignet, da es bei Kontakt mit Wasser binnen weniger Monate verrottet wäre, was bei Tüchern aus Hanf nicht der Fall war.

Hanf ist wohl die beste öko Naturfaser: Hanf kommt mit wenig Bewässerung aus, lässt sich unter geringem Energieaufwand bearbeiten und ist biologisch abbaubar. Die Faser ist von Natur aus hautfreundlich und antimikrobiell. Hohe Umweltverträglichkeit , niedrige Energiebilanz.

Die Hanffaser ist der Baumwollfaser deshalb in vielerlei Hinsicht überlegen und auch für die Herstellung bestimmter Papiere geeignet.

Von der Antike bis tief ins 20. Jahrhundert war Hanf ein anerkannter und unentbehrlicher Rohstoff zur Herstellung einer Vielzahl von Gegenständen, darunter Kleidung, Papier, Taue und Takelagen für Schiffe.

 

Auch Hanf kann kbA, also kontrolliert biologisch angebaut werden.

Jacroki

Jacroki

Jacroki ist ein Material, das aus 80% Altpapier und 20% Latex hergestellt wird. Es ist eine tierfreundliche und umweltbewusste Alternative zu Leder für Gürtel, Taschen und Portemonnaies.

Eigenschaften: fest, widerstandsfähig und wasserabweisend. Der verwendete Zellstoff stammt aus FSC zertifizierten, nachhaltig und legal bewirtschafteten Wäldern. Für eine ausgezeichnete Haltbarkeit und Wasserfestigkeit kommt ein Materialmix aus 80% Zellulose und 20% synthetischem Latex zum Einsatz. Außerdem wird Jacroki chlorfrei gebleicht und ist mit dem EU Ecolabel zertifiziert.

 

Kapok

Kapok (white silk cotton tree)

Kapok (von malaisch kapuk), auch Pflanzendaunen genannt, ist die Hohlfaser des Kapokbaumes (Ceiba pentandra). Sie stammt aus den langen, flauschigen Fasern der Früchte des in den Tropen wachsenden Baumes.

Wegen des Lufteinschlusses von 80 % gilt die Kapokfaser nach Pappelflaum als leichteste natürliche hohle Textilfaser der Welt.

Die Fasern besitzen einen feinen Wachsüberzug, der zum einen bewirkt, dass sie nicht leicht zu verspinnen sind, zum anderen jedoch den Vorteil hat, dass die Haare nicht benetzt werden können.

Kapok wird häufig als Innenmaterial für Sitzkissen verwendet. Besonders geeignet auf Segel- und Motoryachten. Ein Kapokkissen hat den Vorteil, dass es kein Wasser aufnimmt und sogar schwimmfähig ist.“

Es werden auch Bettwaren aus Kapok hergestellt, meist in einem Mischverhältnis Kapok-Baumwolle. Kapok wärmt gut. Kapok ist eine gute Alternative für Veganer, die auch im Bett keinerlei Produkte tierischer Herkunft haben möchten (keine Wolle, Daunen, Seide). Allerdings benötigen Kapok-Bettwaren regelmässiges Durchschütteln und Auslüften an der Sonne, um ihre guten Eigenschaften zu behalten. (Quelle: Wikipedia) 

Kork

Kork

Kork ist ein nachhaltiges und umweltfreundliches Produkt. Kork ist die Rinde der Korkeiche, die man zur Korkgewinnung nicht fällen muss, sondern immer schonend schälen kann. Bei sorgfältiger Behandlung wächst die Rinde wieder nach.

Wie jeder Baum schützt die Korkeiche den Boden vor Erosion und bindet CO2.

Durch die wirtschaftliche Nutzung können die Korkwälder/Biotope erhalten werden. Sie bieten vielen Tier-und Pflanzenarten Schutz und ein Zuhause.

Die Korkproduktion ist ökologisch, denn es gibt keine chemische Belastung des Grundwassers und man braucht keine toxischen Stoffe oder Konservierungsmittel.

Kork eignet sich auch als Werkstoff für Gebrauchsartikel in der Mode: zum Beispiel für Portemonnaies, Taschen, Laptophüllen und anderes.

Leder

Leder

Leder ist auch ein beliebtes Naturprodukt für Bekleidung und Accessoirs.

Die Haut verschiedenster Tiere ist geeignet für die Gerbung und Weiterverarbeitung zu schönen und nützlichen Dingen unseres täglichen Gebrauchs (Bekleidung/Sitzmöbel etc)

Aber auch hier gilt, obwohl ein Naturprodukt ist Leder deshalb noch lange kein umweltfreundliches Produkt.

Im Gegenteil: die Herstellung von Leder im herkömmliche Sinn ist mit vielen scheusslichen Verfahren verbunden:

In den Billigproduktionsländenr wie Afrika und Indien, wie auch weiteren asiatischen Märkten, die dick im Ledergeschäft sind, werden die lebenden Tiere auf grauenvolle Art und Weise behandelt und geschlachtet (was möglicherweise auch in der 1. Welt nicht anders gehandhabt wird). Danach folgt die äusserst umweltzerstörerische „Weiterverarbeitung“ unter schlimmsten Bedingungen für die Arbeiter, welche oft sehr jung sind: arbeiten ohne Schutzmassnahmen: ohne Schuhe in giftigen Flüssigkeiten herumwaten, giftige Dämpfe einatmen, vergiftetes Wasser trinken etc. etc.

Katastrophal für Mensch, Tier und Umwelt. 

Mittlerweile gibt es Alternativen: 

Ersatz Produkte für Leder oder umweltfreundlich gegerbtes und gefärbtes Leder aus kontrollierter Tierhaltung.

Leinen

Roter Lein
Roter Lein

Leinen

Das Gewebe Leinen wird aus der Leinpflanze hergestellt. Oft wird die Leinpflanze auch als Flachs bezeichnet.

Die Pflanze hat hübsche kleine zartblaue Blüten (es gibt auch roten Lein). Wenn Flachs zur Leinenproduktion kultiviert wird, entstehen wunderschöne blaue Felder, wenn die Pflanze blüht.

Leinengewebe wurden traditionell für Bett- und Hauswäsche verwendet. In dieser Nutzung wurden sie im Laufe des späteren 19. Jahrhunderts vermehrt von der billigeren Baumwolle verdrängt. Heutzutage gewinnt die Herstellung von Leinen aus ökologischen Gründen wieder vermehrt an Bedeutung. Flachs wächst auch in gemässigten Klimazonen (verminderte Transportwege für Produkte, die so nicht von weit weg hierher gebracht werden müssen wie di eBaumwolle. Umweltfreundlichere Herstellung als bei Baumwolle). „Die Flachs- oder Leinenfaser wird aus den Stängeln der Flachspflanze gewonnen und zählt zu den Bastfasern. Leinenfasern bilden Bündel, im Gegensatz zu Samenfaser der Baumwolle, die aus unverbundenen Einzelfasern bestehen.“

„Gegenüber anderen Bastfasern ist die Leinenfaser gut teilbar und fein verspinnbar, was sie für Wäsche und Kleidung auszeichnet. Die Leinenfaser ist glatt und das Leinengewebe schließt wenig Luft ein, so ist Leinen flusenfrei und wenig anfällig gegen Schmutz und Bakterien, die Faser ist von Natur bakterizid, fast antistatisch und Schmutz abweisend. Leinen nimmt bis zu 35% Luftfeuchtigkeit auf und tauscht diese Feuchtigkeit auch schnell mit der Umgebungsluft aus, wirkt somit kühlend, ist dennoch trocken wärmend. Deswegen wird das Gewebe gern für Sommerbekleidung eingesetzt. Die Wasserhaltung auf der Oberfläche ist auch Ursache der antistatischen (und damit Schmutz abweisenden) Eigenschaft. Die Leinenfaser ist sehr reißfest und extrem unelastisch. Aufgrund der geringen Elastizität ist Leinen knitteranfällig; die Reißfestigkeit macht das Leinen strapazierfähig und langlebig. Leinen ist stark und muss nicht wie Baumwolle nachgestärkt werden. Es hat natürlichen Glanz und Stärke.

Anfällig ist Leinen jedoch gegenüber Reibung. Seine Scheuerfestigkeit ist geringer als die der Baumwolle; es sollte deswegen bei Wäsche der Schongang eingesetzt werden oder bei Handwäsche nur gestaucht und nicht gerieben werden.

Leinen ist gegen Waschlaugen, Waschmittel, Kochwäsche, chemische Reinigung und hohe Temperaturen beim Bügeln unempfindlich. Trockene Hitze schädigt das Gewebe jedoch, daher muss es zum Bügeln noch leicht feucht sein, Wäschetrockner sind ungeeignet.

Das Bleichen von Leinen ist problematisch. Vollbleiche führt zu Gewichtsverlusten von bis zu einem Fünftel. Das Färben von Leinen ist im Garn oder am Gewebe möglich. Das Blau der Berufsbekleidung ist auf das Färbeverhalten des Leinens zurückzuführen, das mit Naturfarben nur mit Indigo einigermaßen echt gefärbt werden konnte. Dies liegt an der Eigenschaft von Leinen als Zellulosefaser, die beim Färben keine chemische Bindung ermöglicht. Möglich ist die Färbung neben den genannten Küpenfarbstoffen mit der Klasse der substantiven Farbstoffe, dabei wird das Farbstoffmolekül (nur mechanisch gefangen) in das Knäuel des polymeren Zellulosemoleküls eingebaut.

Leinen wird wieder neu entdeckt bei Leuten, die ökologische denken (kann im Gegensatz zur Baumwolle in unseren Breitengraden produziert werden, kurze Transportwege). Man findet wieder Leinenproduktionsstätten in Europa (Niederlande und Frankreich). Da der herkömmliche Flachsanbau leider auch nicht mehr auskommt ohne Pestizide und giftige Düngemittel, entstanden Projekte für biologischen Flachsanbau, die nun erfolgreich wirtschaften.

Lyocell/Tencel

Eukalyptusbaum
Eukalyptusbaum

Lyocell

Tencel ist der Markenname der Lenzing AG für den botanischen Faserstoff Lyocell, welcher als Faser der Zukunft gilt.

Lyocell wird aus Eukalyptusholz hergestellt und ist somit eine Zellulosefaser, also eine aus einem natürlichen Rohstoff synthetisch hergestellte Faser.

Lyocell-Fasern wärmen fast so gut wie Schurwolle, kühlen ähnlich wie Leinen und sind saugfähiger als Baumwolle. Zudem hat das Material einen seidigen Griff .

Das besondere an der Herstellung von Lyocell ist die fast vollständige Kreislaufführung des verwendeten ungiftigen Löse-Hilfsstoffs, weil dieser einfach aus der Faser entfernt werden kann. Die Herstellung ist gut umweltverträglich und die Faser ist biologisch abbaubar, resp. kompostierbar.

Das von der Firma Lenzing zur Produktion von Lyocell verwendete Eukalyptusholz stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Plantagen in Südafrika, auf Boden, der für den Anbau von essbaren landwirtschaftlichen Produkten nicht geeignet ist.

Eukalyptus wächst schnell und braucht keine Pestizide und auch keine Bewässerung.

Lyocell hat also diverse Vorteile gegenüber der Bauwoll-Produktion, sogar gegenüber der biologischen Baumwolle, denn die Faserausbeute ist ca. 10 Mal höher als bei Baumwolle und der Wasserverbrauch vom Pflanzenwachstum bis zum T-Shirt dafür ca. 10-20 Mal geringer.

Die Firma Lenzing (A), die die Faser Lyocell produziert, hat für die nachhaltige Entwicklung dieses Material den Europäischen Umweltpreis 2000 erhalten.

Das Verfahren beruht auf einem zu 99, 7% geschlossenen Produktions-Kreislauf.

Pinatex

Ananas mit Blättern
Ananas mit Blättern

Pinatex

 

Pinatex ist ein neu erfundenes Material, das aus den natürlichen Zellstoff-Fasern der Ananasblätter hergestellt wird. Somit ist Pinatex ein veganes, rein natürliches und umweltfreundliches Produkt (vorausgesetzt, dass die Aanansproduktion bilologisch ist) Pinatex funktioniert im cradle to cradle System, das heisst, das Produkt kann durch biologischen Abbau wieder schadlos in die ursprüngliche Form zurückgeführt werden (es ist kompostierbar).

Pinatex ist ein Beiprodukt der Agrarindustrie (Ananasproduktion) und braucht deshalb für seine Entstehung nicht noch extra Land, Wasser, Dünger, Pestizide etc. 

 

 

Pinatex kann als Lederersatz für Schuhe, Bekleidung und Einrichtungsgegenstände benutzt werden.
Das Material ist weich, stark, leicht, atmungsaktiv und bequem. 

Erfinderin von Pinatex ist die spanische Designerin Carmen Hijosa, der es nach jahrelangen Versuchen zusammen mit ihrem Team gelungen ist, dieses nachhaltige Bio Textil aus einem Abfallprodukt auf den Ananasplantagen herzustellen.

Ramie

Ramie Raupe
Ramie Raupe

Ramie

Bild:Ramie Raupe. Die Pflanze selbst sieht fast gleich aus wie unsere Berennesseln.

Ramie gehört zu den pflanzlichen Naturfaserstoffen der Familie der Brennnesselgewächse (Urticaceae) und wie Flachs zu den Weichfasern.

Die Pflanze ist eine in Ost- und Südostasien weit verbreitete Wildpflanze.

Textilien aus Ramiefasern sind erstmals in ägyptischen Mumienbinden aus der Zeit zwischen 5000 und 3300 v. Chr. bezeugt, in China wird sie seit etwa 3000 Jahren als Faserpflanze kultiviert. Damit gehört die Ramie zu den ältesten Faserpflanzen der Welt. Im frühen 18. Jahrhundert gelangte die Pflanze erstmals nach Europa, Nord- und Südamerika.

Im Jahr 2000 wurden weltweit über 170.000 Tonnen Fasern aus der Ramie erzeugt, rund doppelt so viel wie aus Hanf. Damit ist sie die siebtwichtigste Naturfaser weltweit. Hauptproduktionsländer sind mit gut 75% der Weltproduktion China, sowie die Philippinen, Indien und Brasilien. Diese Länder sind zugleich die Hauptverbraucher. Auf dem Weltmarkt tritt die Faser daher nur bedingt in Erscheinung. Die wichtigsten Importländer sind Japan, Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

Als reine Faser ergibt Ramie leichte, seidige Gewebe, die Leinen ähneln. Wegen seiner geringen Widerstandsfähigkeit und Elastizität wird Ramiefaser jedoch meist als Beimischung zu anderen Textilfasern verwendet. Dabei erhöht es den Glanz und die Stärke von Baumwollfasern und verringert das Schrumpfen der Wollfaser. Ihr Einsatz in diesem Bereich der Wollmischungen ist jedoch eher als exotisch anzusehen.

Obwohl die Ramiefaser als äußerst hochwertig gilt, kann sie aufgrund ihrer relativ aufwändigen Verarbeitung, die nach wie vor nicht vollständig automatisierbar ist, auf dem Textilmarkt bisher nicht preislich mit anderen Naturfasern wie Baumwolle, Wolle oder Leinen konkurrieren. (Quelle: Wikipedia)

Refibra-Faser

Refibra ist die neueste Innovation der Firma Lenzing ( die auch Lyocell /Tencel aus Holz herstellt):

Refibra besteht aus den Rohstoffen Baumwollreste und Holz.

Die Refibra™ Faser ist somit die erste Cellulosefaser, die neben Holz als Rohstoff zusätzlich Recycling-Materialien enthält, nämlich Abfall aus der Baumwollbekleidungs-Produktion.

Diese Faser wird im Rahmen des sehr umweltfreundlichen Lyocell-Produktionsprozesses hergestellt.

Diese Produktion geht weiter in Richtung einer umfassenden Kreislaufwirtschaft in der Modebranche. 

("cradle to cradle" siehe Wissen)

Repreve

Repreve ist eine Faser, die aus recycelten Plastikflaschen (PET) hergestellt wird und ist somit ein sogenanntes  upcycling Produkt.

  • Recycelte Flaschen werden gesammelt und in kleine Plastikschnipsel zerlegt.
  • Die Flaschenschnipsel werden anschließend zu REPREVE-Granulat.
  • Das REPREVE-Granulat wird geschmolzen und zu Polyesterfasern geblasen, die in langen Fäden versponnen werden.
  • Fertig ist das Produkt.

Seide

Seidentücher
Seidentücher

Seide

Seide ist eine feine Textilfaser tierischen Ursprungs.

Der Seidenspinner (Maulbeerseidenspinner und Eichenseidenspinner, auch Tussa Seidenspinner genannt) ist ein Falter. Seine Raupe produziert einen sehr dünnen Faden, in welchen sie sich zur Verpuppung einwickelt. Diese Hülle, Cocon (Kokon) genannt, besteht aus einem einzigen Endlos-Faden mit hervorragenden Eigenschaften, die sich der Mensch seit Jahrhunderten zu Nutzen gemacht hat. Aus diesem Endlos-Faden wird die Seide hergestellt.

„Seide kommt ursprünglich vermutlich aus China und war eine wichtige Handelsware, die über die Seidenstrasse nach Europa transportiert wurde. Neben China, wo auch heute noch der Hauptanteil produziert wird, sind Japan und Indien weitere wichtige Erzeugerländer, in denen der Seidenbau betrieben wird.“ Zitat aus Wikipedia, Jan. 2011

 

 

Seidenraupen
Seidenraupen

 Man kann die Seidenproduktion bis ca. 2800 vor Christus zurückverfolgen.

Im normalen Seidenherstellungsprozess wird der Cocon mit der lebenden Raupe ins kochende Wasser geworfen, sodass die Raupe darin abstirbt. Auf diese Weise bleibt der Cocon unbeschädigt und man kann den Faden an einem Stück abwickeln.

Ahimsa Seide oder Peace Silk stammt vom Maulbeerseidenspinner.

 

Seidenraupen
Cocon des Maulbeerbaumwicklers

Ahimsa heisst Gewaltlosigkeit. Im Gegensatz zur herkömmlichen Seidenherstellung lässt man für die Produktion von Ahimsa Seide die Raupen ihr Puppenstadium beenden und als Falter ausfliegen. Zurück bleibt der Cocon, der nun allerdings durch das Flugloch beschädigt wurde. Der Seidenfaden kann nun nicht mehr an einem Stück abgewickelt werden. Bei der Produktion von Ahimsa Seide wird die Seide also gerissen, dann zum Faden gesponnen und nachher auf dem Handwebstuhl gewebt.

Tussa Seide stammt vom Tussa Seidenspinner (auch Eichenseidenspinner genannt). Dieser Seidenspinner kommt in China, Japan und Indien vor.

 

 

 

 

Auch Tussa Seide ist Ahimsa oder Peace Silk: die Cocons werden in freier Wildbahn gesammelt nachdem die Falter geschlüpft sind.

Tussa Seide ist kräftiger im Griff als die Seide vom Maulbeerbaumseidenspinner und erhält eine dunklere, glänzende  Farbe.

 

Wolle

Schafe in Neuseeland
Schafe in Neuseeland

Wolle 

Wolle wird aus den Haaren (Unterhaar) von Schafen, Ziegen, Kamelen, Lamas, Alpakas oder Kaninchen gewonnen.

 

vom Schaf

Merinoschaf: Australien, Südafrika, Südamerika, Deutschland und andere europ. Länder

 

Schlicht- und-Glanzwollschaf: Engl. Schafrassen, Kreuzzucht oder Crossbreeds. Diese Wollschafe stammen aus kälteren Klimata.

 

Mischwollschaf: z.B. syrische, türkische und arabische Merinoschafe liefern die feinste Wolle. Die heutigen Wollqualitäten kamen im Laufe der Zeit durch Züchtung und Kreuzungen zustande. Vom Merinoschaf, das ursprünglich wahrscheinlich aus Spanien stammt, ist wohl in allen Rassen ein bisschen drin.

Kashmirziege
Kashmirziege

Wolle von Ziegen

 

Kashmir-Ziege: Kaschmir (Cashmir) ist das kostbarste und edelste Material unter den Wollprodukten und stammt von Kaschmirziegen. Diese leben im nördlichen Indien (Provinz Kaschmir), in der Mongolei, China und im Himalaya in Höhe bis 5000 m bei extremer Kälte im Winter. Die Ziegen sind mit sehr feinem, dichtem Unterhaar geschützt. Beim Fellwechsel im Frühjahr wird aus dem gesamten Fell das wertvolle Unterhaar von Hand ausgelesen oder ausgekämmt. Die Ausbeute pro Jahr und Tier ist sehr gering, weshalb die Kaschmirwolle sehr teuer ist.

Die Kaschmirziege kann im Zoo Zürich gesehen werden:

https://www.zoo.ch/de/naturschutz-tiere/tier-pflanzenlexikon/kaschmirziege

Angora-Ziege: aus den Haare der Angoraziege entsteht die Mohairwolle. Diese Naturfaser ist die spezifisch leichteste Textilfaser und daher sehr kostbar. Der Ausdruck „Mohair“ entstammt der arabischen Sprache, in der er einen Stoff aus Haaren bezeichnet. Mohair wird neben der Herstellung von Wolle auch für die Herstellung von Puppenperücken und Teddybären (Mohair-Plüsch) verwendet.

Trampeltier
Trampeltier

Wolle von Kamelen (Trampeltiere und Dromedare)

Kamelhaar ist eine sehr flauschige, anschmiegsame und Temperatur ausgleichende Hohlfaser mit guter Feuchtigkeitsaufnahme. Im Frühjahr wird sie durch das Kämmen des Flaumhaars des Kamelfells junger Kamele gewonnen. Durch die nahezu schuppenfreie Oberfläche der Haare wird die Feuchtigkeit schnell wieder abgegeben. Die wichtigsten Herkunftsgebiete von Kamelhaarwolle sind China, die Mongolei, Rußland und Afrika. (Quelle: wollknolle.de)

Alkapa
Alkapa

Wolle von Alpakas (Kleinkamel der Anden)

Bereits die Vorfahren der Inkas fertigten feinste Garne aus der Wolle der südamerikanischen Kleinkamele (Lama, Alpaka und Vikunja). Auch heute gilt Alpaka als sehr hochwertiges Garn. Es ist fünfmal wärmer als Schafwollgarne. Durch mikroskopisch kleine Lufttaschen hält es wärmer als fast jede andere tierische Faser. Alpaka enthält kein Lanolin und ist daher für Woll-Allergiker geeignet. (Quelle: wollknolle.de)

Angora Kaninchen
Angora Kaninchen

Wolle von Angora Kaninchen

Die Haare des Angorakaninchens werden als „Angora“ verkauft. Die Haare der Angora Ziege jedoch werden unter der Bezeichnung „Mohair“ verkauft.